Pirnaer Elbschlösschen | Zeitleiste 
1260 –1834 Pirna besitzt über 574 Jahre das Stapel- oder Niederlagsrecht. Dieses für die Stadt einträgliche Zollrecht wurde Pirna 1260 durch Heinrich den Erlauchten verliehen und 1269 erstmals urkundlich erwähnt. (Dresden erhielt dieses Recht erst im Jahr 1455.) Nachdem Pirna zu Böhmen gekommen war, erneuerte König Johann von Böhmen am 20.4.1325 das Niederlagsrecht in einer umfangreichen Urkunde, weil die ursprüngliche durch Feuer vernichtet war. 1834 fällt das Niederlagsrecht der Aufhebung feudaler Privilegien und der Zollschranken zum Opfer und wird mit 6000 Talern an die Stadt abgelöst.
1753 / 1756 Auf dem Bild „Die Schifftorvorstadt in Pirna“ hat Canaletto den „alten Hafen“ dargestellt, der im 18. Jahrhundert „die Schleuse bey dem Zoll-Hause“ genannt wurde. Neben der Einfahrt zur Schleuse stand das Zollhaus. Der „Hafen“ hat eher den Charakter eines Dorfteiches. Die Ware führender Schiffe, die zur dreitägigen Niederlage verpflichtet waren, legten vermutlich nicht im „Hafen“, sondern am Elbufer, unterhalb des Zollhauses, an. Es ist anzunehmen, dass das Gebäude bereits Ende des 17. Jahrhunderts existierte.
1770 In Archivakten ist das Häuschen am Elbufer 1 als ein „Communhaus neben der Schleuse, ein Stockwerk hoch, nebst einem Holzschuppen, worinnen der Zollaufseher Carl Friedrich Niehr wirtheweise wohnt, daran ein kleines Baumgärthgen“ beschrieben. Auf alten überlieferten Zeichnungen, die um 1700 entstanden, ist das Zolleinnehmerhaus bereits dargestellt.
12.8.1834 Johann Gottlob Höhne ersteigert für 230 Taler das ehemalige, nun entbehrliche Zollhaus. Somit geht es vom städtischen in Privateigentum über.
1845 Das Hochwasser stand am 30. und 31. März bis zum Obergeschoss.
9.2.1879 Georg Friedrich Robert Förster erwirbt 1879 das Haus. Er beantragt und erhält die Schankkonzession als erster Wirt. Er darf warme und kalte Speisen und Getränke, ausschließlich Branntwein, verabreichen. Schiffer, Badegäste, Benutzer der Fähre nach Posta und Ausflügler sind vorrangig seine Gäste.
1879 In den Sommermonaten nutzen die Einwohner von Pirna die Städtische Badeanstalt unterhalb der Försterschen und später der Zosel’schen Restauration an der Elbe 1. Mit Schmidts Badeanstalt und dem Copitzer Elbbad existieren noch weitere Floßbadeanstalten in der Elbe.
23.9.1880 Ernst Emil Zosel erhält die gleiche Schankkonzession wie sein Vorgänger. Der Branntweinausschank wird ihm am 19.8.1881 genehmigt.
14.7.1905 Schneidermeister Ernst Willy Kmoch aus Mügeln kauft für 18 500 Mark das „Elbschlößchen“ und erhält am 14.7.1905 die Konzessionserlaubnis.
24.7.1919 Restaurateur Paul Otto Geisler erwirbt für 30 000 Mark das „Elbschlößchen“ und erhält am 24.7.1919 die Schankerlaubnis. Der Ausschank ist in der Gaststube im Erdgeschoss, im Kegelschub und in dem am Haus gelegenen Garten erlaubt.
18.7.1938 Paul Oelschlegel erhält am 10.6.1938 die Schankkonzession. Das Frischwasser wird (immer noch) aus dem hauseigenen Brunnen entnommen. Abwasser gelangen in die Elbe.
29.6.1951 Paul Oelschlägel meldet am 29.6.1951 das Gewerbe ab. Die Gaststätte ist bereits seit 1.5.1951 geschlossen und somit endet die 72-jährige Geschichte des Hauses als Gaststätte.
1951 Besitzer Paul Oelschlägel schließt einen 5-jährigen Pachtvertrag mit der Stadt Pirna ab. Das Objekt wird von der Stadt zu einem Pionierheim (Pionierhaus, Haus der Jungen Pioniere) umgebaut.
1958 Der Betrieb MTS-Reparaturwerk Halle (Saale) richtet ein Kinderferienlager ein.
1974 Der Rat des Kreises Bad Doberan, Abteilung Volksbildung, übernimmt das „Elbschlösschen“ und nutzt es in der Saison als Kinderferienlager. Bauliche Maßnahmen werden durch die Hygiene angemahnt.
25.9.1996 Kauf der Immobilie „Elbschlösschen“ in Pirna, Am Elbufer 1, durch die AWO Kinder- und Jugendhilfe gemeinnützige GmbH, Pirna, Lange Straße 13. Nutzung als Einrichtung für betreutes Jugendwohnen für bis zu zehn Jugendliche.
2002 Das Jahrhunderthochwasser hatte am 12.8. mit 10,58 m den bisher höchsten Pegelstand der Elbe erreicht und die Nutzung des Hauses unterbrochen.
2007 Die AWO eröffnet nach umfangreicher Sanierung am Himmelfahrtstag das Haus wieder als gastronomische Einrichtung „Pirnaer Elbschlösschen“ mit Pension, Gaststätte und Biergarten. Damit knüpft der Betreiber AWO SONNENSTEIN gemeinnützige GmbH nach 56 Jahren an die Gastronomietradition an.
Wir danken Herrn Rainer Rippich aus Pirna für seine umfangreichen Recherchen.
Literatur: Stadtarchiv Pirna, Gewerbeakten B III-XXII No.132 Stadtrat Pirna von 1879-1939; B III-XXII Nr. 929 Gewerbean- und -abmeldungen, 1938-1952; Bemerkenswerte Häuser der Stadt Pirna L III-VI-V 51; Pirnaer Wochenblatt (PW) vom 5. Juli 1834, S. 149; Pirnaer Anzeiger (PA) vom 3.8.1905, 1.8.1919, 13.7.1938; Sächsische Zeitung (SZ) vom 1.3.1997; Adressbücher von 1866 bis 1938; J. Krupa - Zur Geschichte der Hausnummern in der Pirnaer Schifftorvorstadt; Bauakte 233/01; Bauakte 171/76; Bauakte, 00924-96-02 vom 8.11.1996 |